Arbeitskreis
der Religionslehrerverbände

  in Baden-Württemberg


Gespräch mit MdL Renate Rastätter, bildungspolitische Sprecherin der rastaetterLandtagsfraktion der Grünen
am 14.03.2009

(Sitzungsprotokoll)

Begrüßung von Frau Rastätter und wechselseitige Vorstellungsrunde.

Frau Rastätter stellt das Engagement der Grünen im Bereich der Bildungspolitik im Landtag vor. Die Fraktion ist personell stark in der Bildungspolitik engagiert (z.B. 2 Sitze im Schulausschuss).
Chancengleichheit und die Zugangsgerechtigkeit im Schulwesen sollen dem Entstehen von Parallelgesellschaften entgegenwirken. Die Statistik belegt, dass das deutsche Schulsystem auch im internationalen Vergleich am stärksten soziale Unterschiede verschärft. So besuchen nur 20% der Kinder ohne Migrationshintergrund die Hauptschule gegenüber 55% der Kinder mit Migrationshintergrund. Die Grünen sehen ein Mittel gegen diese Entwicklung in einer Verlängerung der gemeinsamen Schulzeit aller Schülerinnen und Schüler.
Weitere Verbesserungen, die die Grünen fordern, sind ein Ausbau der Schulsozialarbeit, eine besondere Förderung des einzelnen, verstärkte Lehrerfortbildung und eine " Öffnung von unten", d.h. Stärkung aller Innovationen, die von den Schulen selber initiiert werden.
Die Grünen möchten erreichen, dass alle Anträge von Schulen bzw. Schulträgern auf Schulmodelle mit inklusiver Pädagogik genehmigt werden.
In einer ersten Diskussionsrunde werden die Möglichkeiten, die in einer Schulsystem- Änderung stecken, unterschiedlich bewertet. Erörtert werden die Möglichkeiten eines Gymnasiums der zwei Geschwindigkeiten. Frau Rastätter skizziert zwei Möglichkeiten:
Erstens neun Jahre gemeinsames Lernen, dann 3 bzw. 4 Jahre bis zum Abitur
oder
zweitens ein "Brückenjahr" nach Klasse 8 bzw. Klasse 9 .
Eine der Funktionen der berufsbildenden Schulen wird darin gesehen, dass sie als "Reparaturbetrieb" verpasste Bildungschancen eröffnen. Behandelt werden Probleme der Lehrergesundheit.

In einem zweiten Statement beschreibt Frau Rastätter die Wertschätzung ihrer Fraktion der religiös-ethischen Bildung. RU ist für die Grünen ein unverzichtbarer Teil des Bildungsangebots der Schule.
Deshalb hat sich ihre Fraktion entschieden für die Einführung eines Islamischen RU eingesetzt und die jetzt laufenden Modellversuche schon früh gefordert. Die Grünen wollen mehrheitlich ein Wahlpflichtfach RU/ Ethik und fordern das Fach Ethik schon ab Klasse 1.

In der Diskussion wird eine hohes Maß an Übereinstimmung sichtbar. Die Mitglieder des AK werben für die jetzige Regelung, die - vom Grundgesetz gefordert - den konfessioneller RU als "ordentliches Lehrfach" vorgibt und Ethik als Ersatzfach versteht.
Die AK- Mitglieder betonen, dass diese Regelung keine Abwertung des Faches Ethik bedeutet. Im Gegenteil sind die RU- Lehrkräfte daran interessiert, dass Ethik nach ähnlich strengen didaktischen Kriterien erteilt wird wie der RU.

Abschließend dankt Andreas Stonis Frau Rastätter für das Gespräch und bittet sie, die Vorstellungen des AK in ihrer Fraktion weiterzugeben. Er weist einladend auf die AK- Tagung in Bad Boll hin zum Thema "RU 21".
Frau Rastätter dankt ihrerseits für das Gespräch und drückt ihre Hoffnung aus, dass der Austausch eine Fortsetzung findet.