Arbeitskreis
der Religionslehrerverbände

  in Baden-Württemberg

Unterwegs im Web 2.0
Bericht von der Fortbildung „Digitale Welten als Lernanlässe für Religionsunterricht und Schule“

Vom 11.-13. April 2013 fand im Tagungszentrum Stuttgart-Hohenheim die Tagung „Digitale Welten als Lernanlässe für Religionsunterricht und Schule“ statt. Veranstalterin war die Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart in Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis der Religionslehrerverbände in Baden-Württemberg (AK).
fachtagung flyerDie hervorragend besetzte Tagung bot den Teilnehmerinnen und Teilnehmern die Chance, sich über neue Entwicklungen in den digitalen Welten zu informieren, sich auszutauschen und in Workshops selbst einen Einblick zu bekommen.

Der erste Tag stand unter dem Thema: „Kinder und Jugendliche in digitalen Welten“. Zunächst wurde das Unterrichtsfach „Mensch und Medien“ vorgestellt, das in der Evangelischen Schule am Firstwald in Mössingen unterrichtet wird. „Mensch und Medien“ ist dort Kernfach (alternativ zu NWT) und wird ab Klasse 7 dreistündig unterrichtet. Ziel ist es, die „Schülerpersönlichkeit so zu stärken, dass daraus eine intelligente Nutzung der Medien zum Wohle des Menschen und in Verantwortung für unsere Welt wahrgenokmmen werden kann“, so der Referent Axel Wirsam, einer der MuM-Lehrer am Firstwald Gymnasium. Die Idee eines eigenständigen Medienunterrichts wurde von den Tagungsteilnehmerinnen und -teilnehmern positiv aufgenommen, im neuen Bildungsplan von 2015 wird dieses Fach jedoch nicht zu finden sein. Hier setzt die Bildungsplankommission auf die Implementierung der Medienkompetenzförderung in alle Fächer.
Anschließend stellte Niels Brüggen, wissenschaftlicher Mitarbeiter am JFF-Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis (München), Ergebnisse einer Studie zur Identität der Jugendlichen in digitalen Welten vor. Unsere SuS sind in den digitalen Welten zuhause und beziehen ihre Identität auch aus dieser vermeintlich virtuellen Welt, die für die Heranwachsenden allerdings ganz real zu sein scheint.
Als letzter Referent des ersten Tages präsentierte Joachim Rieß den Einsatz von Whiteboards im Religionsunterricht. Während viele der Tagungsteilnehmer hier eine Werbeveranstaltung der Firma SMART Technologies erwarteten, bot Rieß einen kurzweiligen Überblick über die Möglichkeiten, neue Medien und das Web 2.0 in den Schulalltag zu integrieren.

Der zweite Tag bot das Thema „Virtuelle Welten als Lernanlässe für den Religionsunterricht“. In das Thema führte Professor Dr. Bernd Trocholepczy ein, der gemeinsam mit seinem Mitarbeiter Jürgen Pelzer die Verbindung von Theologie und virtueller Kommunikation hervorhob und Chancen und Gefahren der virtuellen Kommunikation und des Web 2.0 darstellte. Als Religionslehrerinnen und Religionslehrer, so die Kernbotschaft seines Vortrages, haben wir den Auftrag, die neuen Medien als Mittel der Verkündigung zu nutzen: Soziale Netzwerke seien „Portale der Wahrheit und des Glaubens – neue Räume der Evangelisierung“ (Benedikt XVI.).
Wolfgang Schneider, Verwaltungsreferent in der Abteilung Schule und Bildung am Regierungspräsidium Tübingen, klärte anschließend über die rechtliche Situation auf. Neben Fragen zu Urheberrecht und Datenschutz thematisierte er auch den Einsatz von Facebook im Unterricht: Die Kommunikaton via Facebook (und andere Seiten) ist nach Ansicht der Landesregierung generell im schulischen Kontext nicht erlaubt, da die Server im Ausland liegen und der Zugriff Dritter ohne weiteres möglich sei.
In den nachmittäglichen Workshops informierten sich die Tagungsteilnehmer, deren Altersdurchschnitt überraschend bei Mitte/Ende 40 lag, über Audio- und Videoproduktion, die Arbeit mit Weblogs (Blogs), Webquests, Soziale Netzwerke, das Phänomen Facebook und auch Cyber-Bulling. Zum Ausklang des Tages spielte das Lehrerkabarett „Die Lehrer“ auf und setzte in seinem äußerst kurzweiligen Programm manch einem Kollegen den Spiegel vor.

Den letzten Tagungstag leitete René Scheppler ein. Der Lehrer für Gesellschaftslehre und Deutsch an der Helene-Langer-Schule in Wiesbaden praktiziert seit Beginn seiner Schulkarriere die enge Verzahnung von Web 2.0, digitalen Medien und Schule, bloggt darüber und ist mittlerweile ein viel gebuchter Referent zu diesem Themenfeld. Scheppler appellierte daran, die Schüler „mit ins Boot zu holen“ und von den Lernern zu lernen. SuS und Lehrkräfte könnten sich gegenseitig beim Umgang mit digitalen Medien unterstützen. Gerade reformpädagogische und integrative Lernansätze könnten durch das Web 2.0 transportiert und Kreativität gefördert werden. Dadurch ergebe sich auch eine neue Lehrerrolle, die Lehrkraft z.B. als „guide on your side“. René Scheppler beruhigte auch aber die anwesenden Kolleginnen und Kollegen: Der Einsatz der digitalen Medien erfolge auch in seinem Unterricht nur dort, wo er sinnvoll sei. Genau so gebe es auch in seinem Unterricht Lernsituationen, die als „klassisch“ bezeichnet werden könnten.
Die abschließende Diskussionsrunde, an der Vertreter aus dem Kultusministerium, den Schulabteilungen der Kirchen, aus dem Landesmedienzentrum Karlsruhe, dem Landeselternbeirat sowie dem Landesschülerbeirat teilnahmen, informierte über den aktuellen Stand der Bildungsplanarbeit, Forderungen der Elternschaft und die Interessen der SuS. Konsens herrschte bei der Forderung, die Medien- und Informationskompetenz der SuS sowie der LuL zu fördern und dieses Vorhaben auch in den neuen Bildungsplan verstärkt einzuarbeiten.
Mit einem abschließenden Gottesdienst endete die spannende und zukunftsgerichtete Tagung in Hohenheim. Als Multiplikatoren und vielleicht auch digitale Propheten kehrten die Tagungsteilnehmerinnen und -teilnehmer an ihre Heimatschulen zurück.

Valentin Schneider